Therapiebegriffe leicht erklärt

Da in der Therapie der fortgeschrittenen Mastozytose (advSM) viele Substanzen zum Einsatz kommen (können), finden Sie hier alle Medikamente sowie Medikamentengruppen kurz erläutert:

Bisphosphonate sind Medikamente, die bei Knochenschwund oder Osteoporose eingesetzt werden. Sie haben die Fähigkeit, die Osteoklasten zu hemmen. Osteoklasten sind die Zellen, die für den Knochenabbau verantwortlich sind. Bisphosphonate werden sehr schlecht vom Körper aufgenommen, deswegen ist es für die Patienten unabdingbar, sich genau an die Einnahmehinweise des Arztes zu halten. An Nebenwirkungen werden gelegentlich Übelkeit, Durchfall und aseptische Knochennekrosen (= Absterben von Knochenanteilen ohne eine Entzündung als Ursache) im Kieferbereich beschrieben. Deshalb empfiehlt sich vor Behandlungsbeginn eine Kontrolle beim Zahnarzt1.

Cladribin ist ein Wirkstoff, der in der Onkologie als Zytostatikum eingesetzt wird, also der in der Tumortherapie den Zellzyklus der bösartigen Zellen, stört, verzögert oder ganz verhindert. Besonders wird Cladribin bei bestimmten seltenen Leukämiearten angewendet, ein Einsatz bei weiteren Krebserkrankungen wird gerade in Studien untersucht1.

Ein H1-Blocker (oder auch H1-Rezeptorantagonist oder Antihistaminika) ist ein Medikament, das an den Histaminrezeptor Typ 1 binden kann und verhindert, dass Histamin dort seine Wirkung entfaltet und so Symptome verursacht. Besonders kommen H1-Blocker in der Behandlung von Allergien zum Einsatz. Es gibt ältere Medikamente, die noch eine starke Müdigkeit als Nebenwirkung verursacht haben, neuere Medikamente umgehen diesen Effekt1.

H2-Blocker oder H2-Rezeptorantagonisten sind Arzneistoffe, die eine Blockade von Histaminrezeptoren des Typs 2 bewirken, die sich in der Magenschleimhaut befinden. Der Arzneistoff besetzt den Rezeptor bevor das Histamin andocken und seine Wirkung entfalten kann. Durch diesen Effekt wird die Sekretion von Magensäure vermindert1.

Bei Interferon α handelt es sich um eine Familie von Proteinen, die der Körper als Antwort auf eine virale Infektion bildet. Die Proteine sind in der Lage, die Vermehrung der Viren zu hemmen. Außerdem kann es als Medikament eingesetzt natürliche Killerzellen im Körper stimulieren. Interferon α hat eine Schlüsselrolle in der Therapie von Hepatitis-Erkrankungen. Außerdem besitzt Interferon α eine antitumorale Wirkung bei einigen Blutkrebserkrankungen, Lymphomen und beim schwarzen Hautkrebs1.

Unter dem Begriff „Immuntherapie“ werden mehrere Behandlungsansätze zusammengefasst, die alle die Aktivität des Immunsystems beeinflussen sollen – egal, ob stimulierend oder unterdrückend. Bei der speziellen Form der allergischen Immuntherapie wird versucht, die Reaktion des Körpers auf Allergene zu modifizieren.

Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Es gehört zur Gruppe der Steroide und wird in der Nebennierenrinde produziert. Kortison spielt eine wichtige Rolle im Kohlenhydrathaushalt, dem Fettstoffwechsel und dem Proteinumsatz. Zu Therapiezwecken wird eine synthetisch hergestellte Form des Kortisons eingesetzt. Diese findet besonders zur Immunsuppression bei der Behandlung von Entzündungen Anwendung1.

Mastzellstabilisatoren werden zur Prophylaxe von Allergiesymptomen eingesetzt, da sie die Ausschüttung von Mediatoren (z.B. Histamin) aus den Mastzellen hemmen. Eine Besonderheit der Mastzellstabilisatoren ist, dass sie lokal angewendet werden, also als Augentropfen, Nasenspray oder als Inhalation2.

Midostaurin ist ein Wirkstoff, der zu einer Gruppe von Arzneimitteln gehört, die als Proteinkinase-Hemmer bezeichnet werden. Der Wirkstoff ist zugelassen für die Behandlung bei erwachsenen Patienten mit aggressiver systemischer Mastozytose (ASM), systemischer Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHN) oder Mastzellleukämie (MCL).
Durch die Einnahme des Proteinkinase-Hemmers die Wirkung einiger Enzyme (Kinasen) in den abnormalen Zellen blockiert und deren Teilung und Wachstum gestoppt.3

Protonenpumpeninhibitoren oder -hemmer sind Medikamente, die die Magensäuresekretion und -produktion hemmen. Sie haben einen stärkeren Effekt als H2-Blocker und werden v. a. bei Refluxkrankheit oder Magengeschwüren verschrieben2.

  1. Arock M et al, Eur J Haematol 2015; 94 (6): 474–90
  2. Valent P et al, Blood 2010; 116: 5812–7.
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